Erkältungszeit – Husten, Schnupfen, Heiserkeit

Ein Infekt folgt scheinbar dem nächsten. Und spätestens mit der Kindergartenzeit schnieft Ihr Kind fast ständig. Atemwegsinfekte sind bei Kindern besonders in der feucht-kühlen Jahreszeit ein leidiges Dauerthema. Sie beeinträchtigen oft schon Säuglinge und auch Sie als Eltern leiden mit. Dabei ist es für das Immunsystem Ihres Kindes wichtig, Bekanntschaft mit den verschiedensten Erregern zu machen, um so das Immunsystem für die Zukunft zu stärken.

 

Erfahren Sie in diesem Artikel:

Was Sie selbst tun können, damit Sie und Ihre Familie gesund durch die Erkältungszeit kommen.

Warum Husten zwar lästig, aber auch wichtig ist.

Welche Wege Ihrem Kind helfen, einen Atemwegsinfekt gut zu überstehen.

Reise im Tröpfchen

Mädchen putzt Nase

Auslöser einer Erkältung, medizinisch ausgedrückt „grippaler Infekt“, sind fast immer Viren. Winzige Tröpfchen mit ansteckenden Viren entstehen beim Husten, Niesen und sogar beim Sprechen. Die kleinsten Tröpfchen sind nur wenige Tausendstel eines Millimeters groß und können bis zu 3 m zurücklegen. Getrocknete Tröpfchen können als feinste Partikel (Aerosole) mit ansteckenden Krankheitserregern bepackt noch stundenlang in der Luft schweben. Ein erhöhtes Risiko für eine Ansteckung herrscht an Orten, wo sich viele Menschen auf engem Raum aufhalten: in Schulen und Kindertagesstätten, öffentlichen Verkehrsmitteln, Arztpraxen und Krankenhäusern, im Supermarkt oder im Indoor-Spielparadies am Wochenende.

Erkältung, Atemwegsinfektion, Grippe – Was ist was?

 

AtemwegsinfektSammelbegriff für ansteckende Erkrankungen der Körperbereiche mit direktem Kontakt zur Atemluft (Nase, Mund, Rachen, Lunge), meist durch Rhino- und Adenoviren.
ErkältungIn der Alltagssprache verwendeter Begriff für Atemwegsinfekt.
Grippaler InfektGleichbedeutend mit Atemwegsinfekt und Erkältung.
Banaler InfektInfekt, der ohne therapeutische Maßnahmen wieder ausheilt.
GrippeDie „echte“ Grippe (Influenza) ist eine Infektion mit Influenza-Viren. Jährliche Impfung ist möglich und für Risikogruppen empfohlen. In der Alltagssprache wird „Grippe“ oft für „Grippaler Infekt“ verwendet. Die echte Grippe verläuft im Allgemeinen schwerer als ein grippaler Infekt.
HustenHaupt-Symptom einer Infektion der unteren Atemwege, wie Bronchien und Bronchiolen. (Husten kann auch andere Ursachen haben.)
SchnupfenHaupt-Symptom einer Infektion der oberen Atemwege, wie Nasen-Rachen-Raum. (Schnupfen kann auch andere Ursachen haben.)

 

Eine normale Erkältung übersteht Ihr Kleines zum Glück meist von alleine. Sie können für ausreichend Schonung sorgen und es mit bewährten Mitteln beim Gesundwerden unterstützen. Manchmal entwickelt sich aus dem lästigen Schnupfen aber auch eine Entzündung der Nasennebenhöhlen. Oder der störende Husten wird chronisch. Gelegentlich weisen wiederkehrende Infekte auch auf eine Grunderkrankung wie eine Allergie hin. Dann kann es sinnvoll sein, genauer hinzusehen und die Symptome doch einmal ärztlich abklären zu lassen.

Von Hand zu Hand

Außer durch Tröpfcheninfektion kann ein Virus durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch gelangen, zum Beispiel beim Händeschütteln oder Küssen. Einen Umweg nehmen Erreger wie Viren und Bakterien auch gerne über Gegenstände. Türklinken, Geldscheine und Spielzeug werden von vielen großen und kleinen Leuten berührt. Finden gleichzeitig viele Viren den Weg auf die Schleimhäute der oberen Atemwege oder schwächelt die körperliche Abwehr gerade, kann es zur Infektion kommen.

Mädchen wäscht Hände

So schützen Sie Ihr Kind und sich selbst vor Ansteckung

Regen Sie Ihr Kind zum regelmäßigen Händewaschen an. Besonders, wenn es Gegenstände berührt hat, die durch viele Hände gehen.

Händewaschen ist wichtig nach direktem Kontakt mit Erkrankten und vor dem Essen.

Mit ungewaschenen Händen möglichst selten ins Gesicht oder an die Lippen greifen.

Handtücher nicht gemeinschaftlich verwenden.

Geschlossene Räume regelmäßig lüften und für ausreichende Luftfeuchtigkeit sorgen.

Husten oder Niesen in die Ellenbeuge, um andere Menschen nicht mit Krankheits-Erregern anzustecken.

Schnupftücher zügig entsorgen.

Das Immunsystem stärken durch Bewegung an der frischen Luft, gesunde Ernährung und ausreichend Flüssigkeitszufuhr.

Meist dauert es eine Weile, bis nach der Ansteckung Beschwerden auftreten und ein grippaler Infekt tatsächlich ausbricht. Diese Inkubationszeit beträgt je nach Erreger etwa 2 bis 8 Tage.

 

Erste Symptome einer Atemwegsinfektion sind oft ein Kratzen im Hals und eine laufende Nase. Ihr Kind hat jetzt vielleicht weniger Lust zu spielen. Kopf und Glieder können schmerzen. Bis zum zweiten oder dritten Tag steigern sich die Beschwerden. Eine verstopfte Nase, Halsschmerzen und Heiserkeit sowie Schmerzen im Rachen sind jetzt die typischen Symptome. In den unteren Atemwegen gesellen sich oft Schleimbildung und Husten dazu. Geringes Fieber kann begleitend auftreten. Nach wenigen Tagen klingen die lästigen Symptome in der Regel allmählich ab. Ohne Komplikationen dauert eine Erkältung selten länger als eine Woche. Begleitender Husten hält dagegen oft noch tage- bis wochenlang an.

 

Alles, was das Immunsystem bei der Bekämpfung der Erreger unterstützt, hilft Ihrem Kind die Erkältung gut zu überstehen. Ruheinseln geben dem kleinen Körper Gelegenheit sich zu regenerieren. Entspanntes Malen und eine kuschelige Vorleserunde sind Beispiele für beruhigende Beschäftigungen, die Eltern jetzt gern anbieten. Genügend Schlaf und eine gesunde Ernährung mit ausreichend Trinken helfen zusätzlich beim Überstehen der Atemwegserkrankung.

So helfen bewährte Mittel Ihrem Kind bei Erkältung

Wärmender Tee sorgt für die nötige Flüssigkeit (z.B. Thymian, Salbei, Kamille und Lindenblüten).

Lutschpastillen für ältere Kinder wirken wohltuend auf die Schleimhäute von Mund und Rachen.

Honig kann gleich mehrfach wirksam sein und eignet sich für Kinder ab einem Jahr.

Nasenspray oder Nasentropfen helfen, die oberen Atemwege zumindest zeitweise frei zu halten.

Kochsalzlösung als Nasentropfen bei Schnupfen können Sie schon für Ihren Säugling zur Befreiung der Nase einsetzen.

Bei leichtem Verlauf der Infektion gerne ein- oder zweimal am Tag an die frische Luft gehen. Sauerstoff und Sonne stärken die Abwehr Ihres Kindes. Richtig körperlich verausgaben beim Toben oder Sport jedoch besser erst wieder nach Abklingen der Atemwegsinfektion.

So oft erkältet – Ist das noch normal?

Kleiner Junge krank

Sie selber können die üblichen Anzeichen einer Atemwegsinfektion vermutlich einordnen und sich durch eine Erkältung navigieren. Ein krankes Kind löst jedoch auch bei entspannten Eltern einmal Sorgengedanken aus, besonders wenn sich Atemwegsinfektionen scheinbar häufen. Da ist es gut zu wissen: Bis zu 10 Infekte im Jahr sind bei Kleinkindern absolut normal. Sie sind lästig, tun aber auch etwas für Ihr Kind. Das Immunsystem wird in jedem Fall trainiert und die Infektabwehr für die Zukunft gestärkt.

Wann ein Antibiotikum?

Für Grippe und grippalen Infekt gilt gleichermaßen: Verursacher sind fast ausschließlich Viren. Viren werden mit einem Antibiotikum nicht in Schach gehalten. Was Ihrem Kind jetzt hilft und wichtig ist: Beschwerden gleichzeitig lindern und das Entstehen oder Fortschreiten von Komplikationen verhindern. Die Behandlung mit einem Antibiotikum ist nur dann sinnvoll, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt. Ist der Körper bereits durch ein Virus geschwächt, können Bakterien manchmal leichtes Spiel haben. Das Risiko für eine zusätzliche bakterielle Entzündung steigt (Superinfektion oder bakterielle Superinfektion). Doch auch viele Infektionen mit Bakterien kann das Immunsystem Ihres Kindes erfolgreich selbst bekämpfen. Ob eine bakterielle Infektion mit einem Antibiotikum behandelt werden sollte, muss Ihr Arzt entscheiden.

 

Husten – die reinigende Explosion

Jeden Tag erreichen uns mit der Atemluft viele Fremdkörper, wie z. B. Staubpartikel und Pollen, die auch in unsere Atemwege gelangen. Husten ist eine Schutzreaktion der Atemwege und hilft dabei, Fremdpartikel zu entfernen. Durch einen schnellen Ausatemstoß kann sich die Lunge reinigen. Das geschieht durch plötzliches Öffnen der Stimmritze im Kehlkopf. Die angestaute Luft entweicht stoßartig. Partikel werden einfach mitgerissen.

 

Als weiterer Schutz vor Fremdkörpern bilden die Atemwege eine Schleimschicht aus. Diese Schleimschicht ist ein natürlicher Schutz vor Krankheiten. Wie eine Barriere kann sie das Eindringen von Keimen wie Bakterien verhindern und so Entzündungen vorbeugen. Kleine Flimmerhärchen (Zilien) kleiden die unteren Atemwege von innen aus. Mit zielgerichteter Bewegung befördern sie Partikel, Bakterien und Schleim aus der Tiefe in Richtung der oberen Atemwege. Hier können sie schließlich abgehustet werden.

 

Erkältungshusten ist wichtig und muss nicht unterdrückt werden – nur, wenn er zu quälend wird und die Erholung beeinträchtigt.

Husten ist nicht gleich Husten

Man unterscheidet zwischen trockenem Husten (Reizhusten) und produktivem Husten (feuchtem Husten) mit „Auswurf“. Je nach Hustendauer wird zusätzlich zwischen akutem und chronischem Husten unterschieden.

 

Akuter Husten ist meist Erkältungshusten, tritt also im Zusammenhang mit einer Atemwegsinfektion auf. In der Regel klingt er ohne Maßnahmen von alleine ab. Wenn zusätzlich zum Husten ein schnellerer Herzschlag, Atemnot, Brustkorbschmerzen oder Bluthusten auftreten, sollten Sie mit Ihrem Kind zum Arzt gehen. Die Diagnose kann klären, ob nur ein banaler Infekt oder eine Erkrankung wie Allergie, akute Bronchitis, Asthma, Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD) oder eine Grippe dahintersteckt.

 

Das hilft bei akutem Husten

Viel zu trinken anbieten, damit sich der bronchiale Schleim verflüssigt und leichter abgehustet werden kann. Bei Herz- oder Nierenerkrankungen mit dem Arzt besprechen.

Inhalieren mit Kochsalzlösung befeuchtet die Atemwege und erleichtert den Abtransport des Schleims.

Reize meiden, die Husten verursachen, insbesondere Zigarettenrauch.

Auf Erholung und Ruhe achten und Stress möglichst vermeiden.

Hustenstiller können bei Bedarf für die Nacht eingesetzt werden. Sie ermöglichen einen ruhigeren Schlaf und unterstützen dadurch die Erholung. Bei Kindern sollten keine Codein-haltigen Präparate zum Einsatz kommen. Als alternative Behandlung können Noscapin-haltige Hustenstiller eingesetzt werden. Sie müssen vom Arzt verordnet werden.

 

Pflanzliche Präparate zum Schleimlösen, wie Myrtol-, Thymian- oder Efeu-Extrakte, werden von vielen kleinen Patienten als wohltuend empfunden. In der Apotheke sind sie als Saft, Tee, Tropfen, Kapseln oder Lutschpastillen erhältlich. Die Anwendung von Hausmitteln wie Salbei- oder Ingwertee, Zwiebelzubereitungen und Hühnersuppe empfinden viele Patienten ebenfalls als hilfreich. Außerdem wird einigen Inhaltsstoffen eine Infekt-beruhigende Wirkung zugesprochen. Sie lindern Symptome und können den Verlauf gegebenenfalls abkürzen.

Eine besondere Bedeutung wird der Einnahme von Honig zugeschrieben. Honig hat eine antimikrobielle Wirkung. Darüber hinaus gibt es Hinweise, dass Honig bei abendlicher Gabe hustenlindernd ist. Die Hustendauer könnte sich so verkürzen und die Hustenstärke abnehmen. Honig sollte aufgrund einer Botulismusgefahr (ernste Erkrankung durch Bakterien-Sporen) nicht bei kleinen Kindern unter einem Jahr eingesetzt werden. Außerdem muss das Risiko von Karies bedacht werden.

Mädchen trinkt Tee

Geht er denn niemals weg? – Wenn Husten länger andauert

Chronischer Husten dauert länger als 4 Wochen. Schädliche Einflüsse sind Tabakrauch, Staub oder allergieauslösende Stoffe (Allergene). Aber auch ätherische Öle können zu Atemwegsreizungen führen. Von deren Verwendung sollte insbesondere im Kindesalter abgesehen werden. Erkrankungen wie Asthma, bakterielle Bronchitis oder eine Überempfindlichkeit der Bronchien können eine Ursache für chronischen Husten sein. Selten sind in die Atemwege gelangte größere Fremdkörper der Auslöser.

 

In jedem Fall sollte bei chronischem Husten ein Arzt aufgesucht werden. Frühe Abklärung und Therapie können bei kleinen und großen Patienten mögliche bleibende Schäden verhindern.

Was tun bei chronischem Husten?

Die Behandlung des chronischen Hustens richtet sich nach der Ursache und kann sehr unterschiedlich ausfallen. Bei einer chronisch bakteriellen Bronchitis mit chronischem, feuchtem Husten können Antibiotika erforderlich sein.

 

Bei Asthma als Ursache ist der Husten meist trocken und tritt bevorzugt nachts auf. Auch bei Belastung oder nach körperlicher Anstrengung sind strapazierende Hustenanfälle dann häufig. In der Regel liegt eine Überempfindlichkeit der bronchialen Schleimhaut vor, die mit einer Entzündung auf unterschiedliche Umweltreize reagiert. Behandelt wird vor allem mit inhalativen Medikamenten. Sie wirken der Entzündung entgegen und führen zu einer Weitung der Atemwege.

Fazit – Wissen auf den Punkt gebracht

Atemwegsinfektionen sind ansteckend und werden fast ausschließlich von Viren verursacht.

Die Ansteckung erfolgt durch Tröpfchen- und Schmierinfektion.

Hygieneregeln wie Händewaschen sind die wichtigste Vorbeugung.

Ausreichend trinken und den Körper schonen, genügend Schlaf und eine gesunde Ernährung helfen beim Gesundwerden.

Bei einem grippalen Infekt steigern sich die Symptome langsam. Ein einfacher Schnupfen dauert selten länger als 8 Tage.

Nur bakterielle Infektionen können mit einem Antibiotikum behandelt werden.

Husten kann mehrere Wochen anhalten.

Bei chronischem Husten (> 4 Wochen), schnellerem Herzschlag, Atemnot, Brustkorbschmerzen oder blutigen Sekreten gehen Sie mit Ihrem Kind bitte zum Arzt.