Koliken beim Baby – weh und ach in durchwachter Nacht

Die ersten Monate mit einem Baby sind gleichermaßen anstrengend wie aufregend: Der kleine Spatz wächst in sein neues Leben, entwickelt sich mit Tempo von Tag zu Tag und wird zunehmend in seine Familie integriert. Das läuft nicht immer so glatt wie erwartet.

 

Die häufigsten Beschwerden von Babys in dieser Phase sind Koliken. Sie sind meistens das Ergebnis eines noch nicht harmonischen Zusammenspiels. Weder ist das kindliche Verdauungssystem ausgereift, noch sind die Strukturen in der Familie gefestigt.

 

Koliken führen bei Eltern zu erheblichem Stress, zu Sorgen und verständlicher Ratlosigkeit. Das Kind lässt sich einfach nicht beruhigen.

 

Erfahren Sie in diesem Artikel:

Was man heute über die Entstehung von Koliken beim Baby weiß

Woran Sie Dreimonatskoliken erkennen können

Was Sie tun können – für Ihr Kind und sich selbst

Welche Ursachen für Babykoliken kennt man?

Die Begriffe Kolik, Dreimonatskolik oder auch Schreikind beschreiben zwar sehr anschaulich, worum es bei dieser häufigen Störung im Säuglingsalter geht, für welches Alter sie typisch ist und woran man sie erkennt. Was aber genau dem Baby Probleme macht, ist erstaunlicher Weise bis heute nicht geklärt.

Lange Zeit hat man allein das unausgereifte Verdauungssystem des Kindes für die Beschwerden verantwortlich gemacht. Dafür spricht, dass eine Säuglingskolik keine „Zivilisationskrankheit“ ist. Alle Babys auf der Welt leiden darunter in ähnlicher Weise und im gleichen Zeitverlauf, Wüstenkinder in der Kalahari genauso wie Babys aus Indien oder unseren europäischen Nachbarländern.

 

Später diskutierte man darüber hinaus ungünstige Fütterungs-, bzw. Stilltechniken, bei denen das Baby zu viel Luft verschluckt.

Vater streichelt Bauch von Baby mit Dreimonatskoliken

Auch (stressbedingte) Spannungen im Familienkreis, die noch mangelnde Routine im Alltag sowie eine Überreizung des Kindes kommen als mögliche Ursachen infrage.

 

Seit den 1990er Jahren ist man aber zunehmend davon überzeugt, dass Koliken eine Mischung aus allen diesen ungünstigen Faktoren sind, mit denen das Baby einfach noch nicht umgehen kann. Heute spricht man daher übergreifend von frühkindlichen Regulationsstörungen.

 

Jeder fünfte bis siebte Säugling ist von Koliken betroffen, Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Woran können Sie Dreimonatskoliken erkennen?

Typisch für Babykoliken ist, dass das Kind außergewöhnlich unruhig ist, übermäßig viel schreit und sich nicht beruhigen lässt. Die Schreiphasen beginnen meist abrupt am späten Nachmittag und können bis in die Abendstunden oder mit Unterbrechungen auch länger anhalten. Davon abgesehen ist das Baby gesund und gedeiht.

Ein Baby schreit und scheint starke Schmerzen zu haben

Das Baby nimmt beim Weinen eine typische Krampfhaltung ein:

 

Die Beine werden angezogen und heftig ausgestreckt, die Fäustchen geballt, der Rücken ist durchgedrückt, der kleine Bauch meist aufgebläht und die Gesichtsfarbe erscheint hellrot bis fahlweiß. Zwischen den Schreiphasen verhält sich das Kind unauffällig.

Wieviel Schreien ist normal?

 

Alle Babys schreien, wenn Ihnen etwas nicht zusagt, sie Hunger haben, sich unwohl fühlen, krank sind oder Kontakt wünschen. Und alle Babys in allen Familien schreien im zweiten Monat mit bis zu drei Stunden täglich am meisten. Danach entspannt sich die Situation aber deutlich: Nach dem dritten Monat weinen Babys durchschnittlich nur noch rund eine Stunde am Tag, daher die Bezeichnung Dreimonatskoliken. Übermäßiges Schreien kann aber auch noch bis zum sechsten oder neunten Monat anhalten.

 

Jeder fünfte bis siebte Säugling ist von Koliken betroffen, Jungen und Mädchen gleichermaßen.

Tageszeittypische Verteilung der Unruhe bei Säuglingen - Grafik

Die Abbildung zeigt, wieviele Babys wann im Tagesverlauf weinen. Am späten Nachmittag werden die meisten plötzlich unruhig und bleiben es dann auch bis in den späten Abend hinein.

Was hilft bei Säuglingskoliken?

Auch wenn mehrere Auslöser für das Weinen des Babys verantwortlich sein können, als Eltern denkt man intuitiv: Bauchschmerzen! Das ist auch naheliegend, denn Verdauen ist „harte Arbeit“. Die unterstützende gesunde Darmflora des Babys muss sich erst noch bilden. Möglicherweise liegen auch kleine Entzündungen oder ein Infekt vor.

 

Im Folgenden finden Sie die wichtigsten Auslöser für Babykoliken und welche Unterstützung Sie Ihrem Baby jeweils geben können.

Unreife Darmflora – Starthilfe für den Darm

Probiotika können ergänzend zum Stillen oder der Flaschenmahlzeit gegeben werden und eine Schlüsselrolle spielen in der kindlichen Entwicklung. Sie unterstützen die körperliche Reifung des Darms und fördern von Anfang an den Aufbau einer gut funktionierenden Darmflora. Ihr Prinzip beruht darauf, dass sie bei regelmäßigem Verzehr nach und nach genau die Bakterien verdrängen, die sich bei kleineren Entzündungen oder zu viel Luft im Bauch in der Darmflora befinden. Sind förderliche Bakterien wie Lacobacillus reuteri in ausreichender Menge vorhanden, stärkt dieses nicht nur die Darmwand und ermöglicht dadurch eine bessere Aufnahme der Nährstoffe. Auch das Immunsystem wird positiv beeinflusst und eine zu empfindliche Reizwahrnehmung über die Nervenbahnen im Darm wird reguliert.

 

In der Apotheke erhalten Sie einfach anzuwendende Tropfen wie BiGaia® mit dem natürlich vorkommenden Milchsäurebakterium Lactobacillus reuteri. Gerade dieser Bakterienstamm soll den Daten mehrerer Säuglingsstudien (Quellen: siehe unten) zufolge Koliken lindern. Dafür reicht bereits der einmalig tägliche Verzehr.

Blähungen – was hilft gegen Luft im Bauch?

Luft im Bauch bzw. Darm tut weh, weil sie die Darmwand dehnt und dadurch die Nerven reizt. Ein durch Luft geblähter Darm kann durch Milchgärungsvorgänge auftreten oder weil das Baby zu viel Luft verschluckt hat. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn es zu schnell getrunken oder beim Trinken bereits geweint hat. Hat die Luft erst einmal den Magen passiert, muss sie sich durch den ganzen Verdauungstrakt winden.

Tipps fürs Stillen:

Vermeiden Sie kurz aufeinanderfolgende Stillphasen (frühestens nach drei Stunden)

Stillen Sie nach Bedarf

Legen Sie das Baby so an, dass es die komplette Brustwarze umfassen kann

Vermeiden Sie selbst blähende Nahrung wie Kohlarten, Bohnen, Zwiebeln, Gewürze, Steinobst aber auch Genussmittel wie schwarzen Tee, Kaffee, Alkohol, Schokolade

Testen Sie selbst alternativ allergenarme und kuhmilchfreie Produkte, Spuren davon könnten auch über die Muttermilch an den Säugling weitergegeben werden

Tipps fürs Fläschchen geben:

Benutzen Sie einen Sauger mit kleinem Loch

Beim Zubereiten von Säuglingsmilch: verhindern Sie unnötiges Aufschäumen durch Schütteln

Unterstützende Tees, Zäpfchen oder Tropfen gegen Blähungen

 

Heilpflanzen wie Kümmel, Fenchel und Kamille enthalten lindernde Inhaltsstoffe. Fenchel- und Kamillentee können Sie bei Flaschenkindern einfach in die Milch mischen. Kümmelzäpfchen fürs Baby lösen den Krampf und sind einfach anzuwenden.

 

 

Hilfe es aus dem Arzneimittelschrank

 

Eine ganze Reihe von Mitteln enthält Simeticon. Dieser Wirkstoff soll Luftbläschen auflösen, die sich aus unverdauter Milch oder verschluckter Luft im Magen-Darm-Trakt des Säuglings gebildet haben. Diese Mittel werden zu jeder Mahlzeit gegeben, helfen den Kindern aber nicht wirklich, die Milch besser zu verdauen. Zusätzlich enthalten sie oft Zucker und Aromastoffe.

Bauchweh wegstreicheln – Nähe und Wärme beruhigen

Geborgenheit ist für jedes Baby wichtig, um Urvertrauen aufzubauen. Fühlt es sich sicher, lässt es sich leichter beruhigen. Alle Eltern wissen das instinktiv und werden dieses auch als allererstes bei Bauchweh versuchen. Kuscheln Sie viel, reden Sie mit Ihrem Kind oder singen Sie. Auch Herumtragen mögen viele Babys – im Fliegergriff oder bequem im Tragetuch. Ein leichter Druck in Verbindung mit Ihrer Körperwärme kann dem Baby gut tun. So wirkt auch das Pucken, das feste Einwickeln in ein Tuch, meist beruhigend. Streicheln Sie das Baby und besonders das Bäuchlein. Es ist nicht nötig, dazu Öle oder Salben zu benutzen.

Tipps gegen Reizüberflutung – einen Gang zurückschalten

Mutter streichelt den Bauch ihres Babys im Kinderbett

Ein Baby bekommt bereits im Mutterleib viel von seiner Außenwelt mit. Dennoch ist nach der Geburt der Übergang gewaltig und eine enorme Vielzahl von Reizen stürzt auf den Säugling ein. Zu viele Geräusche, ständig wechselndes Licht und unterschiedlichste Gerüche können zu einer Überreizung führen. Manchmal ist bereits Augenkontakt zu viel.

 

Beobachten Sie Ihr Kind und schützen Sie es vor unnötigem Stress. Es kann beiden helfen, wenn Sie sich hin und wieder eine Auszeit nehmen und für eine Weile den Raum verlassen.

Gewinnen Sie Verwandte oder Freunde als Babysitter oder Einkäufer (im Notfall prüfen Sie, ob Sie Haushalts- und Familienhilfen durch die Krankenkasse oder das Jugendamt beantragen können).

Tag/Nacht, laut/leise – strukturieren Sie Ihren Alltag

Natürlich kann man auf Anhieb nicht alles regeln und grundsätzlich ist hinsichtlich der Hausarbeit immer „viel Luft nach oben“. Ein möglichst strukturierter Alltag mit kleinen vorhersehbaren Routinen ist aber enorm wichtig. Er erleichtert Ihrem Baby, die Tag- und Nachtphasen zu unterscheiden, verhilft ihm zu einem regelmäßigeren Schlaf und letztendlich, sich selbst zu beruhigen.

 

Dazu gehört auch, dass Sie als Eltern mit zunehmendem Alter des Kindes nicht immer unmittelbar auf das Schreien reagieren sollten. Wenn Ihr Baby mit dem Schreien beginnt, verlängern Sie maßvoll die Zeit der Reaktion und geben ihm damit die Gelegenheit zu lernen, wie es sich selbst beruhigen kann.

Routinen und Ruheinseln schaffen:

Regelmäßige Zeiten fürs Füttern, Schlafen und Spielen festlegen

Immer das Baby an den gleichen Ort zum Schlafen legen

Nachts nur Füttern/Stillen und Wickeln, nicht Spielen, wenig Reden

Machen Sie es sich einfach, weniger ist manchmal mehr:

Nicht zu viel Herumtragen

Kuschelecke ohne Hintergrundgeräusche wie Fernseher

Nicht zu viele neue Spielsachen anbieten

Können Sie Koliken vorbeugen?

Sie können den Aufbau einer gesunden Bakterienflora wesentlich unterstützen und Ihrem Baby förderliche Bakterienkulturen geben, erhältlich in jeder Apotheke. Dies gilt besonders für Kinder von Kaiserschnittgeburten, die noch keinen Kontakt mit gesunden Darmkeimen hatten. Sie selbst sollten sich ausgewogen und gesund ernähren. Schränken Sie erst im Verdachtsfall Ihre Ernährung ein.

 

Kein Rauchen mit Baby!

 

Abgesehen von der allgemein schädlichen Wirkung des Tabakrauchens scheint dieses auch sehr wahrscheinlich Koliken beim Säugling hervorzurufen. Beide Elternteile sollten darauf verzichten.

Wann zum Arzt?

Neben dem Ausschluss einer Erkrankung ist im Falle der Dreimonatskoliken die Hauptaufgabe des Arztes zunächst, die individuelle Situation des Patienten und der Familie zu verstehen. Er wird die Eltern beraten und Lösungen suchen, die ihnen wieder mehr Ruhe ermöglichen und die Situation harmonisieren. Eltern zweifeln manchmal an ihren Kompetenzen oder sind einfach nur erschöpft. Ein Zuspruch kann da schon sehr helfen.

 

Suchen Sie Ihren Kinderarzt auf

Wenn das Baby nicht mehr an Gewicht zunimmt

Wenn es nicht mehr ausreichend trinkt

Wenn es krank wirkt

Wenn andere Beschwerden dazukommen wie Fieber, Verstopfung, Durchfall oder Erbrechen

Wenn sich Schmerzen an anderer Stelle lokalisieren lassen

Wenn sich das Schreien selbst, die Zeiten oder die Dauer plötzlich verändern

Wenn Sie das Schreien beunruhigt oder Sie Hilfe benötigen

Grundsätzlich sollten Sie keine größeren Umstellungen oder Änderungen machen – wie das Stillen einstellen – ohne Ihre Hebamme oder einen Arzt zu fragen.

Fazit – Wissen auf den Punkt gebracht

Leider gibt es bei Babykoliken keine klare Ursache und kein „Hausrezept“. Sie müssen daher detektivisch tätig werden, mehreren Spuren nachgehen, verschiedene der genannten Empfehlungen ausprobieren und immer wieder abwarten. Wechseln Sie beim Ausprobieren nicht zu oft und nicht zu schnell. Beobachten Sie immer wieder Ihr Kind, manchmal hilft tatsächlich erst einmal gar nichts. Dann denken Sie ruhig auch mal ein Weilchen an sich.

 

Ein Tipp: Schreiben Sie ein Protokoll mit, auf dem Sie Getestetes notieren und abhaken. Sollten Sie keine Besserung beobachten und den Kinderarzt besuchen, freut dieser sich über eine gute Datengrundlage.

Manchmal schütteln Eltern ihr schreiendes Baby in Stress und aus Verzweiflung. Tun Sie das niemals! Schon kurzes Schütteln kann schwere gesundheitliche Schäden verursachen und sogar zum Tod führen.

Gut zu wissen: Manchmal verliert man den Blick für das, was dennoch gut läuft. Ist Ihr Baby wach, zufrieden und ruhig, kuscheln oder spielen Sie mit ihm. Es wird merken, dass Sie positiv reagieren, den Zusammenhang lernen und sein Verhalten anpassen.

 

Die meisten Babys sind trotz der Schreianfälle gesund und tragen aus dieser Zeit auch keine späteren Schäden davon. Die belastende Zeit geht vorüber und Sie selbst haben ein ausdrückliches Recht darauf, sich zunehmend Pausen und Freiräume zu schaffen. Das tut allen gut!

Ein Baby freut sich und hat keine Blähungen mehr

Quellen:

Abbildung „Tageszeittypische Verteilung der Zeiten der Unruhe bei Babys“

 

Wessel MA, Cobb J.C., Jacobsen E.B. und andere (1954) Paroxysmal fussing in infancy, sometimes called „colic“. Pediatrics 14:241–434

 

Säuglingsstudien

 

1. Indrio et al. (2010), Lactobacillus reuteri accelerates gastric emptying and improves regurgitation in infants. European Journal of Clinical Investigation.

 

2. Savino F et al. (2010), Lactobacillus reuteri DSM 17938 in the treatment of infantile colic: a clinical and microbiological, randomised, double-blind, placebo-controlled trial.

 

3. Szajewska et al. (2012), Lactobacillus reuteri DSM 17938 for the Management of Infantile Colic in Breastfed Infants: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trial, The Journal of Pediatrics

 

4. Savino F. et al. (2007), Lactobacillus reuteri versus Simethicone in the treatment of infantile colic: a prospective randomized study. Peditrics 119: 124-130.

 

5. Indrio et al. (2014), Prophylactic use of Probiotic in the Prevention of Colic, Regurgitation, and Functional Constipation; JAMA Pediatr. · In Linzenz von BioGaia AB Schweden · Lesen Sie mehr unter: www.biogaia.com

 

6. Chau et al. (2015), Probiotics for Infantil Colic: A Randomized, Double-Blind, Placebo-Controlled Trail Investigating Lactobacillus reuteri DSM 17938

 

7. Mi et al. (2015), Effectiveness of Lactobacillus reuteri in infant colic and coli cky induccd maternal depression: a prospective single blind randomized trail.