Wenn gesundes Essen krank macht

Nahrungsmittelallergie – wenn gesundes Essen krank macht

Rote Augen, Quaddeln, Blähungen. Viele Anzeichen einer Nahrungsmittelallergie sind unspezifisch. Und oft gibt es Grund zum Aufatmen: Die Augen der Kleinen sind nach ausreichend Schlaf am Morgen wieder klar. Die Quaddeln entpuppen sich als Mückenstiche und der rumorende Bauch hat sich beruhigt. Eine Nahrungsmittelallergie wird häufiger vermutet als sie tatsächlich auftritt. Bei weniger als 6 von 100 Kindern sind wirklich Allergene in Speisen und Getränken im Spiel, wenn Jucken, Bauchweh oder Unwohlsein Ihr Kind plagen. Selten ist eine Lebensmittelallergie wirklich bedrohlich. Häufig bleibt die Reaktion auf ein Lebensmittel zum Glück ein Einzelfall oder erweist sich als Unverträglichkeit. Tröstlich auch zu wissen: So manche Allergie, gerade bei kleinen Kindern, verschwinden nach und nach von selbst.

Erfahren Sie in diesem Artikel:

  • Was eine Nahrungsmittelallergie ist und wie sie sich von einer Nahrungsmittelunverträglichkeit unterscheidet.
  • Wie bewährte und neuartige Therapien Ihrem Kind dauerhaft genussvolles Essen ermöglichen.
  • Welche Wege Ihrem Kind helfen, einen Atemwegsinfekt gut zu überstehen.

Haut, Magen-Darm-Bereich und Atemwege: Nahrungsmittelallergien sind vielgestaltig

Viele kleine Nahrungsmittelallergiker reagieren vor allem mit sichtbaren Beschwerden. Die Haut hat Rötungen und juckt. Ausschlag und Schwellungen (Ödeme), besonders an den Lippen, können sich breitmachen. Die allergische Reaktion setzt sich oft fort in Mund und Rachen mit Juckreiz oder pelzigem Gefühl. Im Magen-Darm-Trakt kann die gesamte Bandbreite von Übelkeit und Erbrechen bis hin zu Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall die Folge sein. Ein Teil der Kinder reagiert im Bereich der Atemwege mit Anzeichen wie Husten und sogar Atemnot. Allgemeine Müdigkeit, Mattheit oder Kopfschmerzen sind ebenfalls keine Seltenheit.

„Spiegelbild des Suppentellers“: Viele Lebensmittel-Allergien zeigen sich auf der Haut.

Manchmal ist Detektivarbeit gefragt

Zahlreiche der Beschwerden kennen Sie, liebe Eltern und Angehörige, von anderen Krankheiten und Wehwehchen des Kindesalters. Die Zuordnung zu einer Nahrungsmittelallergie oder -unverträglichkeit ist oft nicht leicht. Gerade bei milden Symptomen bleibt ein Zusammenhang zur Ernährung manchmal lange im Verborgenen.

Erdnüsse sind nicht immer Peanuts

Die Stärke der Allergieanzeichen kann sehr unterschiedlich sein und variiert von Mensch zu Mensch. Leichte Symptome finden sich ebenso wie mittelschwere. Manchmal reagiert der kleine Kreislauf aber mit Blutdruckabfall, der in seltenen Fällen bis zum lebensbedrohlichen Schock (Anaphylaxie) mit Kreislaufstillstand durchlaufen kann.

Gleich sofort oder erst später

Gerade bei Kindern ist die allergische Reaktion vom Soforttyp verbreitet. Die Reaktion erfolgt hier innerhalb der ersten 2 Stunden. Beispiel für einen heftigen Verlauf: Beim Füttern des ersten Milch-Getreidebrei schwellen bei einem Kleinkind die Augen an. Anschließend wirken auch die Lippen verdickt. Wenig später juckt der ganze Körper. Es kommt Husten hinzu und der Atem wird schwer. Hier ist keine Zeit zu verlieren und die Behandlung durch den Notarzt einzuleiten.

Bei einer Reaktion vom Spättyp beginnen die Anzeichen verzögert, manchmal mehrere Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Faustregel: Je langsamer sich die Beschwerden bemerkbar machen, umso ungefährlicher ist die Situation.

Ei, Milch und Erdnuss – häufige Auslöser einer Lebensmittelallergie

Theoretisch kann jedes eiweißhaltige Nahrungsmittel eine Allergie auslösen. Die Top-3 bei Kindern sind Hühnerei, Kuhmilch und Erdnüsse. Darauf folgen Cashew- und Haselnüsse sowie Soja und Weizen. Auch Fisch steht weit oben auf der Liste. Gut zu wissen: Gerade eine Allergie gegen Lebensmittel wie Kuhmilch und Hühnerei verschwindet meist im Laufe der Kindheit. Viele andere Allergien erledigen sich leider nicht von alleine. Gerade eine Allergie gegen Erdnüsse bleibt meist ein Leben lang.

Bei älteren Kindern und Erwachsenen treten Lebensmittelallergien in den Vordergrund, die indirekt mit Pollen verbunden sind. Manche Pollen-Allergene ähneln in ihrer Struktur bestimmten Eiweißen aus Obst und Gemüse. Diese sogenannten Kreuzallergien sind zum Beispiel bekannt bei Birkenpollen. Sie lösen oft eine Lebensmittelallergie gegen Kern- und Steinobst aus.

Antikörper, die eigentlich gegen Pollen oder Hausstaubmilben gerichtet sind, wenden sich bei Kreuzallergien gegen bestimmte Lebensmittel. Die Ähnlichkeit der Eiweiß-Strukturen macht zum Beispiel allergisch gegen Obst.

Macht Milch Ihr müdes Kind nicht munter? Der Weg zur Diagnose

Ihre Vermutung einer Lebensmittelallergie besprechen Sie am besten mit Kinderärztin oder Arzt. Die Erfahrung der Mediziner erlaubt es zu entscheiden, ob die Anzeichen tatsächlich für eine Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit sprechen und weiter abgeklärt werden sollten. Ein Nahrungs- und Symptom-Tagebuch vereinfacht es, Zusammenhänge zu erkennen. Oft wird ein Hauttest veranlasst. Bei diesem sogenannten Prick-Test werden verschiedene Allergene mit einem kleinen Piecks in die Haut „geprickt“. Die anschließende Quaddelbildung zeigt, welche Lebensmittel allergisch wirken. Ein Antikörper-Test kann IgE-Antikörper im Blut nachweisen.

…kann Spuren enthalten von…

Hat der Mediziner bestimmte Nahrungsmittel als verdächtig erkannt, streichen Sie diese für die kommenden Wochen konsequent aus der Nahrung Ihres Kindes. Dabei beobachten Sie, ob sich Symptome wie Juckreiz und Ekzeme unverändert zeigen oder wie sich diese bessern.

Die direkte Konfrontation – der Provokationstest

Die Diagnose kann anschließend zusätzlich gesichert werden durch einen oralen Provokationstest. Dabei nimmt die kleine Patientin oder der kleine Patient das Allergen des zuvor weggelassenen Lebensmittels unter ärztlicher Aufsicht ein. Treten die Symptome wieder auf, ist der Auslöser entlarvt. Für den Fall einer heftigen Immunantwort ist ärztliche Hilfe sofort zur Stelle.

Was ist eine Nahrungsmittelallergie und wie entsteht sie?

Eine Lebensmittelallergie ist eine allergische Überempfindlichkeitsreaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Eiweiße in der Nahrung. Beim ersten Kontakt des Körpers mit dem körperfremden Eiweiß aus dem Lebensmittel (= Allergen) kommt es zur Sensibilisierung. Immunzellen erkennen das Antigen als „fremd“. Um es zu eliminieren, bilden sie Antikörper gegen das körperfremde Eiweiß und sensibilisieren die sogenannten Mastzellen. Der Erstkontakt verläuft oft unbemerkt, da er noch keine Beschwerden verursacht. Beim erneuten Kontakt binden die Antikörper an das körperfremde Eiweiß aus dem Lebensmittel. Es kommt zur Aktivierung der Mastzellen. Diese schütten bestimmte Botenstoffe, wie z. B. Histamin aus. Die typischen Allergiesymptome sind die Folge.

https://www.apotheken-umschau.de/Nahrungsmittelallergie

Allergie oder Unverträglichkeit – der kleine Unterschied

Bei einer Lebensmittelallergie reagiert das Immunsystem auf ein Fremdeiweiß in der Nahrung. Eine Unverträglichkeit hat oft ähnliche Auswirkungen und wird daher auch Pseudoallergie genannt. Das Immunsystem ist bei einer Pseudoallergie jedoch nicht beteiligt. Die Unverträglichkeit entsteht unter anderem dadurch, dass ein Abbau-Enzym nicht in ausreichendem Maße gebildet werden kann. Beispiele hierfür sind die Laktose-Intoleranz und die Histamin-Unverträglichkeit.

Bei einer Allergie sind Antikörper im Blut nachweisbar. Bei einer Intoleranz ist das Immunsystem nicht beteiligt.

Wer muss mit einer Lebensmittelallergie rechnen?

Warum bestimmte Lebensmittel auf einige Menschen allergisch wirken, ist bis heute ungeklärt. Experten diskutieren seit einigen Jahren die in westlichen Ländern teilweise übertriebene Hygiene. Auch Umweltverschmutzung wird als zusätzlicher Faktor häufiger genannt. Als gesichert gilt: Wer an anderen Allergien leidet und zum Beispiel Neurodermitis, atopische Dermatitis, allergisches Asthma oder Heuschnupfen hat, ist auch häufiger von Allergien auf bestimmte Nahrungsmittel betroffen. Lebensmittelallergien treten in Familie nicht selten gehäuft auf. Eine erbliche Komponente ist daher wahrscheinlich.

Das Risiko für eine Nahrungsmittelallergie:

  • Bei einem Kind ohne erbliche Vorbelastung: 4–6 %
  • Bei einem Kind mit einem Elternteil, der Allergiker ist: 20–40 %
  • Bei einem Kind mit beiden Eltern, die Allergiker sind: 50–60 %

Das hilft bei Nahrungsmittelallergie

In erster Linie heißt es: Die auslösenden Lebensmittel meiden! Das ist mit einiger Konsequenz oft möglich. Bei verschiedenen Lebensmitteln kann das Meiden im Alltag schwierig sein. Stellen Sie sicher, dass Ihr Kind weiterhin ausgewogenen, vitamin-, mineral- und ballaststoffreich ernährt wird. So vermeiden Sie, dass die Allergie zu Mangelerscheinungen führt. Manchmal bietet sich der Griff zu alternativen Nahrungsmitteln an. Oft sind nicht alle Inhaltsstoffe eines Lebensmittels ersichtlich oder korrekt deklariert. Das gilt für Bäckereien über Fertigprodukte bis hin zum Restaurantbesuch. Eine professionelle Ernährungsberatung kann hier hilfreich sein.

Bei leichten Allergiebeschwerden kann die vorbeugende Gabe von Cromoglicinsäure (z. B. in Pentatop®) 15–30 min vor dem Essen helfen. Vor allem auf Reisen, im Restaurant und immer dann, wenn Sie nicht genau wissen, welche Nahrung Ihr Kind gerade erwartet, kann sie hilfreich sein. Die Wirksubstanz verhindert die Ausschüttung von Histamin aus den Mastzellen. Durch die lokale Wirkung direkt im Darm ist sie gut verträglich und wirkt anti-allergisch ohne müde zu machen.

Bei einer Allergie sind Antikörper im Blut nachweisbar. Bei einer Intoleranz ist das Immunsystem nicht beteiligt.

Informieren Sie die Kontaktpersonen in Kindergarten, Schule, Familie und Freundeskreis über die bestehende Allergie. So können alle beim Thema Allergie zum Wohle des Kindes an einem Strang ziehen. Bei schweren allergischen Reaktionen wird der behandelnde Arzt ein Notfallset verschreiben. Es enthält Antihistaminika, Kortison-Präparate und ggf. einen Adrenalin-Pen.

Zusätzliche Tipps:

  • Viele Obst- und Gemüsesorten werden durch Kochen, Braten, Zerkleinern oder Säuern verträglicher.
  • Tierische Allergene, z. B. aus Ei und Milch sowie Eiweiße in Nüssen sind meist hitzestabil. Hier hilft nur das Meiden.
  • Seien Sie besonders bei Fertigprodukten skeptisch. Sie können versteckte Allergene enthalten.

Wie kann man einer Nahrungsmittelallergie vorbeugen?

  • In der Schwangerschaft oder Stillzeit brauchen Mütter nicht auf Nahrungsmittel zu verzichten, die häufig Allergien auslösen. (Es sei denn, sie sind selbst gegen diese allergisch.) Im Gegenteil: Während der Schwangerschaft und über die Muttermilch kann das Immunsystem des Babys am besten vorbereitet werden.
  • Stillen ist für Babys für eine Dauer von mindestens 4 bis 6 Monaten die vorteilhafteste Ernährungsform. Sie beugt auch Allergien vor.
  • Für nicht-gestillte oder zugefütterte, gesunde Säuglinge aus Familien ohne erhöhtes Allergierisiko ist normale Flaschen-Nahrung mit intaktem Eiweiß zu empfehlen. Die Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde rät zu sogenannter HA-Nahrung für Babys aus Familien mit erhöhtem Allergierisiko.
  • Die WAO-Leitlinie sieht Vorteile einer Flaschennahrung mit Präbiotika für Säuglinge, die nicht voll gestillt werden. Bei erhöhtem Allergierisiko des Kindes sollte die Nahrung der Mutter in Schwangerschaft und Stillzeit Probiotika enthalten. Ebenso sind Probiotika in der Beikost von Kindern mit Allergierisiko zu empfehlen.
  • Mit Beginn der Zufütterung ist ein vielfältiger Speiseplan mit Obst, Gemüse und Milchprodukten für Babys wertvoll. Zahlreiche Kinderärzte sind der Meinung: Geben Sie Ihrem Kind, was Sie auch essen!
  • Häufige Allergieauslöser sollten in der Babynahrung nicht gemieden werden. Ausnahme: Bei Säuglingen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis (atopischer Dermatitis) sollte vor der Einführung von möglichen Nahrungsmittelallergenen ein Allergietest gemacht werden.
  • Bei erhöhtem Allergierisiko sind die Reduktion der häuslichen Belastung mit Hausstaubmilben und der Verzicht auf Haustiere als vorbeugende Maßnahme im Gespräch.

Fazit – Wissen auf den Punkt gebracht

  • Symptome einer Nahrungsmittelallergie können die Haut, den Magen-Darm-Trakt, die Atemwege und das Allgemeinbefinden betreffen.
  • Mögliche Beschwerden reichen von leichten Anzeichen bis zum anaphylaktischen Schock. Patienten mit heftigen allergischen Reaktionen sollten ein Notfall-Set mit sich führen.
  • Hühnerei, Kuhmilch und Erdnüsse sind die häufigsten Allergene des Kindesalters.
  • Im Gegensatz zur Nahrungsmittel-Unverträglichkeit ist die Lebensmittelallergie eine überschießende Reaktion des Immunsystems auf eigentlich harmlose Nahrungsmittel-Eiweiße.
  • Die wichtigste Maßnahme ist der Verzicht auf das Allergie-auslösende Nahrungsmittel.
  • Stillen ist eine effektive Allergievorbeugung.
  • Bei leichter Allergie kann Cromoglicinsäure einer allergischen Reaktion vorbeugen.