Tipps für die Stillzeit – ein Mutmacher

Stillen ist die beste Form der Ernährung für Babys, denn Muttermilch ist ein wahres Wunder. In der Muttermilch steckt alles, was ein Kind in den ersten Lebensmonaten braucht.

Allerdings läuft das mit dem Stillen nicht immer reibungslos, ganz im Gegenteil. Gerade am Anfang haben viele Mütter wunde Brustwarzen oder Schmerzen und stillen dann vorzeitig ab. Doch das muss nicht sein.

Lesen Sie in diesem Artikel …

  • wie der Start ins Stillen gelingen kann, selbst wenn nicht alles nach Plan läuft
  • welche besonderen Situationen das Stillen erschweren
  • dass nur wenige Probleme ein Abstillen erfordern

Der aufregende Start

Das Bonding

Ist das Baby endlich auf der Welt, geht es meistens sehr schnell und schon liegt es bei der Mutter auf dem Bauch. Dieser erste Kontakt noch innerhalb der ersten Stunde (Bonding) ist für den Beziehungsaufbau wichtig. Das Neugeborene kann das erste Mal angelegt werden. Die einzigartige Mutter-Kind-Bindung entsteht.

Die Milchmenge ist am Anfang noch sehr gering, aber umso wertvoller. Besonders gehaltvoll und gesund ist die allererste Muttermilch, das Kolostrum. Die Milchmenge steigt langsam, wenn Sie in den ersten Stunden und Tagen das Kind immer häufiger und länger anlegen.

Die ersten Stunden

Wenige Stunden nach der Geburt beginnt oft schon der Milcheinschuss. Er betrifft beide Brüste. Sie sehen prall aus, spannen deutlich und schmerzen gelegentlich. Die Haut ist gerötet und die Körpertemperatur kann bis auf 38,4 °C steigen. Die einschießende Milch ist aber nicht alleinige Ursache für die stark gefüllten Brüste, sondern vielmehr ein Lymphstau im Brustgewebe. Eine sanfte Massage lässt die Lymphe wieder abfließen. Kinderkrankenschwestern, Hebammen und Stillberaterinnen kennen helfende Griffe.

Die Milchgänge sollten nun oft und möglichst vollständig vom Baby geleert werden. Dann bleibt das Risiko für einen Milchstau oder gar für eine Brustentzündung (Mastitis) gering. Mehr erfahren. 

Stillen nach Kaiserschnitt

Auch Kaiserschnitt-Babys sollten so bald wie möglich zu ihren Müttern kommen, damit diese sie anlegen dürfen. Umso leichter gelingt der Einstieg ins Stillen.

Sollte das Baby unerwartet per Kaiserschnitt geholt worden sein, kann sich das erste Beisammensein aus medizinischen Gründen verzögern. Dauert die Trennung länger als etwa sechs Stunden, sollte der Milchfluss durch eine Milchpumpe angeregt werden. Die Mutter wird sich noch eine Weile von der Narkose erholen. Und auch die Babys brauchen Zeit, um in die neue Situation hineinzuwachsen. In dieser Phase ist besonders viel Geduld gefragt und immer wieder neues Anlegen.

Frühchen

Wenn Ihr Kind nicht voll ausgetragen auf die Welt gekommen und gesund ist, können Sie zu Hause zusätzliche Beratung von einer Hebamme in Anspruch nehmen. Sie und Ihr Frühchen sind gerade in einer besonderen Lebenssituation. Da ist es tröstlich, sich nicht alleine und ohne fachliche Unterstützung zu fühlen. Zögern Sie bitte nicht, sich Ihr Leben und das Ihres Kindes erleichtern zu lassen.

Zu viel oder zu wenig Milch?

„Zu wenig“ oder „zu viel“ Milch ist medizinisch gesehen nach Hebammen-Meinung sehr selten. Und das gilt für alle Brustgrößen. Nicht bei allen Frauen tritt die Milch offensichtlich stark aus. Die Natur regelt dies normalerweise von allein.

Die Milchmenge passt sich dem wechselnden Bedarf des Babys an, auch schon nach wenigen Tagen. Das Baby hat unterschiedlichen Appetit. Wächst es, hat es häufig Hunger. Die Mutter legt es dann öfter an und bildet entsprechend mehr Milch. Auch Phasen mit geringerem Appetit – wie nach Impfungen oder bei Infektionen – kommen vor. Alles in Ordnung, solange das Kleine normal zunimmt.

Die „U-Untersuchungen“ beim Kinderarzt sind in der Anfangszeit besonders engmaschig. Nehmen Sie diese wahr. Auf Gedeihstörungen wird bei der Früherkennung regelmäßig geachtet. Haben Sie Zweifel oder Befürchtungen, sollten Sie diese gleich in der Praxis ansprechen. Oder später Ihre Hebamme fragen.

Tipps für den Alltag

An die Brust, von der Brust

Das richtige Anlegen ist das A und O beim Stillen. Entspanntes Sitzen oder Liegen in einer bequemen Stillposition ist eine kleine Erholungspause für die Mutter und fördert ganz nebenbei den Milchfluss.

Anlegen mit dem „C-Griff“

Sie können Ihre Brustwarzen vor dem Anlegen mit dem sogenannten C-Griff etwas herausformen. Das hilft den Babys beim Ansaugen und beugt wunden Brustwarzen bei Müttern vor. Dazu mit einer Hand die Brust greifen, mit dem Daumen von oben und den Fingern von unten. Sobald das Baby den Mund weit aufmacht, ziehen Sie es eng zu sich heran. Das Mündchen sollte die Brustwarze und einen großen Teil des Brustwarzenhofes umfassen.

Immer richtig „abdocken“

Ein Baby kann sehr kräftig saugen. Beim Abnehmen ist daher immer erst der Unterdruck zu lösen. Schieben Sie einen sauberen Finger zwischen Baby und Brust. So vermeiden Sie unnötigen Zug auf den Brustwarzen. Das hilft, wunden Brustwarzen vorzubeugen.

Hilfe bei sehr großen und prallen Brüsten

Bei einem großen oder sehr vollen Busen kann es dem Baby schwerfallen, die Brustwarze richtig mit dem Mund zu umfassen. Hier können Ausstreichen oder etwas Abpumpen mit einer Milchpumpe vor dem Stillen die Lösung sein. Halb liegend auf dem Rücken zu stillen oder im Sitzen das Baby auf dem Stillkissen neben sich zu haben, finden viele Frauen mit großem Busen angenehm.

Das hilft bei gespannten Brüsten:

  • Vor dem Stillen wärmen, zum Beispiel mit feucht-warmen Umschlägen
  • Nach dem Stillen kühlen, zum Beispiel mit Kohlblättern oder Quark
  • Regelmäßiges Anlegen
  • Bakterienflora in den Milchgängen aufbauen mit Milchsäurebakterien

MamBiotic®

MamBiotic enthält das natürliche Milchsäurebakterium Lactobacillus fermentum CECT 5716. Dieser verdrängt schädliche Bakterien aus dem Brustdrüsengewebe von Stillenden und unterstützt eine ausgewogene Bakterienflora in den Milchgängen der Brust.

Flasche, Schnuller, Hütchen – Verwirrung oder echte Hilfe?

Sauger – nicht in der Anfangszeit

Aus Mamas Brust trinkt es sich anders als aus Fläschchen mit Silikon- oder Kautschuksaugern. Manche Babys sind irritiert, wenn beim Milchtrinken gewechselt wird („Saugverwirrung“).

Haben Sie sich fürs Stillen entschieden, sollten Sie am besten in den ersten zwei Monaten auf Schnuller und Sauger von Trinkflaschen ganz verzichten. Vorausgesetzt natürlich, Ihr Baby benötigt nicht aus medizinischen Gründen zugefütterte Nahrung. Schnuller sollten in dieser ersten Zeit am besten nur zur Beruhigung eingesetzt werden, wenn die Brust gerade nicht gegeben werden kann.

Hütchen für gestresste Brustwarzen

Stillhütchen aus Latex oder Silikon können dem Baby das Saugen erleichtern. Sie sind aber eher eine vorübergehende Überbrückung. Die Stillhütchen sind wie eine Brustwarze geformt und werden vor dem Stillen aufgelegt. Sie müssen in Form und Größe zur Brust und zur Größe des Kindes passen. Diese Stillhilfen können bei wunden Brustwarzen helfen, damit diese abheilen können, oder bei Flach- und Schlupfwarzen das Stillen ermöglichen. Auch Frühchen oder kranke Kinder können mit Stillhütchen unterstützt werden.

Es ist auf jeden Fall ratsam, sich ausführlich zu informieren. Hebammen, die La Leche Liga oder Laktationsberaterinnen IBCLC können Ihnen mit Tipps zum Stillen weiterhelfen.

Medikamente in der Stillzeit

Sollten Sie Medikamente benötigen, lassen Sie sich grundsätzlich von Ihrem Fach- oder Frauenarzt beraten. Das gilt besonders bei chronischen Krankheiten, wenn Arzneimittel über eine längere Zeit hinweg genommen werden. Es gibt eine große Vielfalt an Medikamenten und Alternativen, die auch für die Stillzeit zugelassen sind und kein Abstillen erfordern.

Sollten Sie vorübergehend eine Stillpause einhalten müssen, ist der spätere Wiedereinstieg ins Stillen möglich. Erhalten Sie den Milchfluss aufrecht durch regelmäßiges Abpumpen.

Milch und Brei – kleine Schritte, kleine Portionen

Muttermilch bleibt auch dann ein hochwertiges Nahrungsmittel, wenn das Kind schon gerne isst. Das belegen zahlreiche Studien. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, sechs Monate lang voll zu stillen.

Verdauungsprobleme beim Baby müssen nicht sein

Brei und Co. dienen am Anfang nicht zum Sattwerden. So neugierig sie meist sind, Babys können auch ausgesprochen zögerlich sein und nachdrücklich auf Vertrautes, also die Muttermilch bestehen. Das mit gutem Grund, denn zu viel Neues in zu kurzer Zeit tut ihnen nicht gut. Ihr Verdauungssystem ist noch nicht ausgereift. Es muss sich erst langsam auf die neue Ernährung umstellen.

Die meisten Mütter beginnen mit ein paar Löffeln Gemüsebrei am Mittag und stillen danach. Nach einiger Zeit können Sie mittags ausschließlich Brei füttern.

Stillen, wenn die Zähnchen kommen

Hurra, das erste Zähnchen ist da! Aber gerade die neuen Zähnchen sind ziemlich spitz und können Mama beim Stillen wehtun.

Bei den meisten Kindern zeigen sich die ersten Milchzähnchen mit einem halben Jahr. Das ist aber sehr unterschiedlich und variiert von einigen Wochen bis zu einem Jahr.

Das hilft Frauen jetzt beim Stillen:

  • Ändern Sie häufig die Position des Kindes beim Saugen, es reizt dann nicht immer die gleiche Stelle.
  • Signalisieren Sie Ihrem Kind, wenn es zubeißt, dass Ihnen das Schmerzen bereitet. Deutliche Blicke oder eine kurze Unterbrechung des Stillens reichen meist.
  • Achten Sie auf glatte und gesunde Brustwarzen, kleine Risse oder Wunden können Bakterien in das Brustdrüsengewebe eindringen lassen.

Supermutter?

Die hormonelle Achterbahnfahrt von Schwangerschaft und Stillzeit lässt bei Frauen manchmal Zweifel entstehen. Phasen der Müdigkeit und Erschöpfung tun ihr Übriges. Hormone sorgen aber auch dafür, dass Mütter empfänglich sind für die feinen Signale ihres Kindes. Es kann sich ja noch nicht mit Worten äußern.

Vielen Frauen hilft es, sich das in Erinnerung zu rufen und sich zu fragen: Ist meine Vorstellung vom Muttersein realistisch? Das gilt auch, wenn Sie nicht nach Plan stillen konnten oder einen anderen Weg gewählt haben.

Die Signale des Kindes wahrzunehmen und zu schauen, was fühlt sich für Sie und Ihr Kind als Team richtig an, kann Ihr persönlicher Wegweiser zu einer entspannten Stillzeit sein. Kinder brauchen keine rundum perfekte Mutter.

Auf den Punkt gebracht

  • Gestillte Kinder sind gesünder, sie neigen seltener zu Allergien und Erkrankungen der Atemwege.
  • Frühes Stillen gleich nach der Geburt und richtiges Anlegen erleichtern den Start.
  • Auch bei Kaiserschnitt und Frühgeburt kann und sollte das Baby in den Genuss von Muttermilch kommen.
  • Die Milchmenge passt sich dem Bedarf des Kindes an.
  • Die Unterstützung durch eine Hebamme oder Stillberaterin wird in der Regel auch nach dem Wochenbett von den Krankenkassen bezahlt.
  • Verträgliche Schmerzmittel für die Mutter sind erlaubt.
  • Wann Ihr gemeinsamer Stillweg nach hoffentlich langer beschwerdefreier Zeit zu Ende geht, merken Sie an den Reaktionen des Kindes und an Ihrem eigenen Wohlbefinden.

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