Schmerzen beim Stillen – lassen Sie sich helfen

Schmerzen beim Stillen treffen Mütter oft unvorbereitet und können so intensiv sein, dass sie sogar das vorzeitige Abstillen erwägen. Doch es gibt verschiedene Arten von Schmerzen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten auftreten. Empfindliche Brustwarzen in der ersten Zeit werden meist von alleine besser, stärkere Schmerzen wie bei einem Milchstau oder einer Brustdrüsenentzündung müssen immer richtig behandelt werden.

 

Erfahren Sie in diesem Artikel:

Welche Arten von Schmerzen im Verlauf der Stillzeit auftreten können und warum

Wie Sie sich bei Schmerzen helfen können

Mit welchen Mitteln Sie Schmerzen vorbeugen können

Schmerzen zu Beginn der Stillzeit

Die Phase des Kennenlernens

 

Stillen ist ein intimer Lernprozess zwischen Ihnen und Ihrem Baby, insbesondere für Mütter mit ihrem ersten Kind oder am Anfang der Stillzeit. Planen Sie immer wieder kleine Ruheinseln in Ihrem Mutter-Kind-Alltag ein und gehen Sie diese erste gemeinsame Zeit möglichst optimistisch und gelassen an.

 

Die gute Nachricht zuerst: Viele Schmerzen beim Stillen können allein durch das richtige Anlegen vermieden werden. Lassen Sie es sich daher möglichst frühzeitig zeigen – am besten gleich nach der Geburt im Krankenhaus – und probieren Sie es so lange aus, bis Sie für sich eine möglichst entspannte, für Sie stimmige Haltung gefunden haben.

Grundsätzlich treten Missempfindungen beim Stillen oft nur deshalb auf, weil die Lage des Kindes noch nicht gut gewählt ist. Nehmen Sie den Säugling also von der Brust und legen Sie ihn in veränderter Position neu an. Kleiner Trick: Schieben Sie vorher seitlich einen Finger an Brustwarze und Mund des Kindes vorbei und lösen damit das Vakuum – ein Baby hat eine überraschend starke Saugkraft.

 

In der ersten Zeit können die Brustwarzen noch sehr empfindlich sein und weh tun, wenn das Baby daran saugt. Nach einer Anpassungsphase von in der Regel ein paar Tagen tritt aber zumeist eine Gewöhnung ein.

Baby wird gestillt
Das richtige Anlegen des Babys und eine gute Position sind für gelingendes Stillen sehr wichtig.

Spannungen beim Milcheinschuss

 

Die Milchbildung kann sehr plötzlich und reichhaltig einsetzen. Die Brust schwillt dann schnell an und verursacht Spannungs- oder Druckgefühle. Die Brüste können so stark spannen, dass das Kind beim Saugen die Brustwarze nicht mehr richtig erfassen und trinken kann. Das kann wehtun oder zu Verletzungen führen. Spätestens nach einigen Tagen reguliert sich die Milchproduktion aber von alleine und die Milchmenge passt sich dem Bedarf des Säuglings an.

 

 

Ziehen im Unterbauch

 

In den ersten Tagen nach der Geburt können während des Stillens vorübergehend Unterbauchschmerzen auftreten, weil sich die Gebärmutter zusammenzieht. Dieses ist nicht bei jeder Frau der Fall und wird auch nicht immer als Schmerzen wahrgenommen. Sehen Sie es möglichst positiv: Das Anspannen der Gebärmuttermuskulatur ist wichtig, unterstützt es doch die zügige Rückbildung.

Junge Mutter hält Säugling im Arm

Zögern Sie nie, zu fragen

 

Selbst wenn die direkte Betreuung im Wochenbett vorbei sein sollte, können Sie jederzeit Hilfe bei Stillproblemen in Anspruch nehmen. Hebammen oder Stillberaterinnen freuen sich über jede Beratung, da auch sie möchten, dass Sie nicht vorzeitig oder unnötig abstillen. Oft reichen ein Gespräch oder konkrete Tipps während des Stillens selbst, um das richtige Anlegen und Stillen wieder zu verinnerlichen.

 

Die Stillberatung wird in der Regel von den Krankenkassen bezahlt, erkundigen Sie sich dort.

Schmerzen während der Stillzeit

Schmerzen im weiteren Verlauf der Stillzeit sollten immer beobachtet, ernst genommen und abgeklärt werden. In den allermeisten Fällen reicht die fachkundige Beratung durch eine Hebamme oder Stillberaterin aus. Sehr selten kann es nötig werden, auch Ärzte oder Spezialisten hinzuzuziehen.

Wesentlich ist während der gesamten Stillzeit, dass die gebildete Menge an Milch und die Trinkmenge des Kindes möglichst ausbalanciert ist.

Ein Zuviel oder Zuwenig an Milch kann durch ein gutes „Stillmanagement“ vermieden werden. Naturheilmittel aus der Apotheke können Sie hierbei unterstützen, fragen Sie Ihre Hebamme, Stillberaterin oder direkt in der Apotheke.

 

 

Saugschwierigkeiten

 

Schon kleine körperliche Abweichungen beim Baby können das Saugen behindern. Ein zu kurzes Zungenbändchen beispielsweise kann zu Schwierigkeiten beim Saugen führen. Dies kann aber durch einen minimalen ärztlichen Eingriff behoben werden. Zusätzlich können weitere Faktoren eine Rolle spielen wie Erkrankungen der Atemwege, Reflux, Frühgeburtlichkeit oder Gaumenspalten. Hier benötigen Sie eine intensivere Beratung, Stillen ist aber dennoch grundsätzlich möglich.

 

Manchmal muss, bis der Säugling diese Schwierigkeiten überwunden hat, das Stillen ausgesetzt werden. Dann ist es extrem wichtig, dass Sie in der Zwischenzeit die Milch regelmäßig abpumpen, um den Milchfluss zu erhalten oder weiter anzuregen.

 

 

Besondere Brustwarzenformen

 

Die verschiedenen Formen und Größen der Brustwarzen können beim Stillen eine Rolle spielen. Gespannte Brustwarzen an geschwollenen Brüsten infolge des anfänglichen Milcheinschusses sind für den Säugling schwer zu umschließen. Ebenso können ihm zu große oder zu kleine Brustwarzen sowie besondere Brustwarzenformen Schwierigkeiten bereiten. In diesen letzten Fällen können Sie Stillhütchen ausprobieren.

 

 

Milchstau

 

Harte und schmerzhafte Stellen in der Brust sind ein Merkmal für einen Milchstau, häufig ist auch die Haut über der betroffenen Stelle gerötet. Zusätzlich können grippeähnliche Symptome auftreten. Kommt allerdings Fieber oder eine bakterielle Infektion (Brustdrüsenentzündung siehe unten) dazu, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

 

Die Schmerzen eines Milchstaus entstehen, wenn der Milchabfluss behindert oder ungenügend ist. Dies kann der Fall sein bei Schwellungen oder Infektionen im Gewebe, einer ungenügenden Entleerung der Brust oder einer Beeinträchtigung des Milchspende-Reflexes.

Um einen Milchstau schnell wieder zu beheben, muss die Brust regelmäßig und richtig entleert werden. Hier können besonders häufiges Anlegen oder eine spezielle Lage des Babys an der Brust helfen. Lassen Sie sich dazu von einer Hebamme oder Stillberaterin helfen. Sollte das Stillen allein nicht ausreichen, können eine Pumpe oder ein Ausstreichen mit den Händen Erleichterung verschaffen.

Infografik zu Trinkschwierigkeiten bei einem Milchstau

Die Abbildung macht deutlich, warum bei einem Milchstau und einer geschwollenen Brust das Baby die Brustwarze nicht mehr richtig erfassen kann.

 

Greifen Sie bei Bedarf auch auf in der Stillzeit erlaubte Schmerzmittel zurück, wie Ibuprofen oder Paracetamol. Verschwinden die Schmerzen, bewirkt manchmal schon die folgende Entspannung, dass die Milch schnell wieder fließt.

 

Grundsätzlich sollten Sie aber Medikamente zur Sicherheit immer erst nach Rücksprache mit Fachkreisen (Hebamme, Stillberaterin, Arzt oder Apotheker) einsetzen.

Was lindert die Schmerzen bei einem Milchstau?

Sanfte Massagetechniken wirken oft Wunder. Sie können akut oder vorbeugend eingesetzt werden – vor, nach oder während des Stillens. Probieren Sie dazu ruhig auch verschiedene Hilfsmittel wie Massagestäbe aus. Erlaubt ist alles, was Ihnen gut tut.

Wärme an der betroffenen Stelle kann vor dem Stillen erfolgreich sein.

Kühlkompressen, Quarkwickel oder Umschläge aus Kohlblättern können zwischen den Stillmahlzeiten lindernd wirken.

Sollte die Bakterienflora in den Milchgängen in ein Ungleichgewicht gekommen sein und Beschwerden verursachen, können Sie durch in Apotheken erhältliche Mittel die gesunde Bakterienflora wiederherstellen.

Über das wichtige Gleichgewicht in der Bakterienflora

Sowohl die Haut als auch der Darm sind mit einer natürlichen Flora an Bakterien und Pilzen besiedelt. Wenig bekannt ist, dass dieses auch auf die Milchgänge in der Brust zutrifft. Die jeweilige Zusammensetzung der Bakterienflora ist von Frau zu Frau unterschiedlich und Einzelheiten dazu sind noch relativ unbekannt. Dennoch ergeben sich Erkenntnisse und Therapieansätze für bestimmte Erkrankungen.

 

Von Natur aus ist die Keimbesiedlung in einem Organ wie dem Darm oder den Milchgängen immer in einem gesunden Gleichgewicht. Eine ausreichende Menge an nützlichen oder unschädlichen Bakterien verdrängt krankmachende Bakterien und Pilze.

Mutter stillt Kind an einer Brust

Ist die Bakterienflora aber im Ungleichgewicht, können die normalerweise immer begleitenden aber unterdrückten schädlichen Keime die Oberhand gewinnen und krank machen. Im fortgeschrittenen Prozess, wenn beispielsweise schon eine Entzündung droht, werden oft Antibiotika eingesetzt. Bei einem beginnenden Ungleichgewicht aber oder nach einer Antibiotika-Therapie kann man das Gleichgewicht durch gut untersuchte und natürlich vorkommende Keime, wie Milchsäurebakterien (Lactobacillen), in den Milchgängen wieder herstellen bzw. unterstützen.

Tipps zur richtigen Hygiene beim Stillen:

Nach jedem Stillen neue Einweg-Stilleinlagen verwenden

Milchreste nicht antrocknen lassen

Kleidung und Handtücher täglich wechseln und bei 60 °C waschen

Alles, was mit Brust oder Mund des Kindes in Berührung kommt, nach jeder Verwendung sterilisieren

Brustdrüsenentzündung (Mastitis)

Eine Ursache für stärkere bis starke Schmerzen ist die Brustdrüsenentzündung (Mastitis). Die Symptome einer Brustdrüsenentzündung sind zunächst ähnlich der eines Milchstaus:

Verhärtung und Schwellung der Brust

Stärkeres bis starkes Schmerzgefühl

Rötung

grippeähnliche Begleiterscheinungen, plötzlich eintretendes Fieber

Daher ist es wichtig, Schmerzen mit weiteren allgemeinen Krankheitsgefühlen wie bei einer Grippe sowie gleichzeitigem Fieber nicht zu ignorieren.

Was bei einer Mastitis helfen kann:

Bettruhe und Schmerzmittel-Gabe

Gute Entleerung der Brust (evtl. Milchpumpe einsetzen)

Quark-Umschläge mit Lavendelöl

Kohlblatt-Auflage

Retterspitz-Umschläge

Achtung: Sollten sich bei einer Brustdrüsenentzündung die Symptome nicht innerhalb von zwei Tagen verbessern oder sich der Allgemeinzustand innerhalb von 24 Stunden deutlich verschlechtern, ist sofort ein Arzt oder eine Klinik aufzusuchen!

In den allermeisten Fällen (ca. 95 Prozent) wird die Brustdrüsenentzündung (Mastitis) von einer Infektion mit Staphylokokken (Staphylococcus aureus) hervorgerufen. Die Vertreter dieser Bakteriengruppe kommen überall in der Natur vor, auch auf der Haut oder den Schleimhäuten und sind normalerweise harmlos. Bekommen sie aber durch günstige Bedingungen die Gelegenheit, sich massiv auszubreiten, können Krankheiten die Folge sein.

 

Die bereits in den Milchgängen natürlich vorhandenen Staphylokokken vermehren sich entweder in Folge eines Milchstaus mehr als üblich oder weitere gelangen in größerer Menge von außen in die Milchgänge. Wunde oder rissige Brustwarzen können ihnen dabei das Eindringen erleichtern, eine fehlende Basishygiene ihr Vorkommen auf der Haut wesentlich erhöhen.

 

 

So wirken Lactobacillen bei einem Milchstau bzw. einer beginnenden Brustdrüsenentzündung

Wirkung von MamBiotic® (Lactobacillus fermentum) - Infografik
Infografik Milchsäurebakterien vom Darm in die Brust

A: Eine gesunde Bakterienflora sorgt für einen ungehinderten Milchfluss und gesunde Milchgänge.

 

B: Schädliche Keime überwuchern die Bakterienflora und es kommt zu einem Milchstau bis hin zu einer Mastitis.

 

C: Lactobacillus fermentum CECT5716 (Lc40) unterstützt von innen die gesunde Bakterienflora. So können Entzündungen vermieden und gelindert werden.

 

Regelmäßig von außen zugeführte Milchsäurebakterien mit geeigneten Präparaten wie MamBiotic® wirken sich positiv auf die Bakterienflora des Brustdrüsengewebes aus und verdrängen nach und nach die schädlichen Keime.

Eine Mastitis mit hohem Fieber und/oder schlechtem Allgemeinzustand muss mit einem Antibiotikum behandelt werden. Dies bedeutet aber nicht, dass Sie abstillen müssen.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt oder in der Klinik, dass Sie weiter stillen wollen und lassen Sie sich nicht vorschnell zu etwas überreden – schalten Sie ggf. Ihre Hebamme oder Stillberaterin ein.

 

Die Entwicklung eines Abszesses ist eine Komplikation bei einer Brustdrüsenentzündung, die nur durch einen chirurgischen Eingriff beseitigt werden kann. Daher ist es sehr wichtig, einer Brustdrüsenentzündung rechtzeitig vorzubeugen oder den Vorstufen schnell entgegenzuwirken.

 

 

Verletzungen beim Abpumpen

 

Wenn Sie eine Milchpumpe benutzen, achten Sie auf den richtigen Sitz der Brusthaube und das richtig gewählte Vakuum. Unter Umständen kann es sonst zu Verletzungen der Brustwarze oder zu Schmerzen kommen.

 

 

Pilzinfektionen

Bei einer Pilzinfektion der Brustwarze oder der Milchgänge ist fast immer Candida beteiligt. Diese Art der Infektion wird auch Soor genannt. Da die Symptome sehr unterschiedlich sind, ist eine Diagnose von Soor nicht ganz einfach, sie sollte immer durch einen Arzt erfolgen. Nicht nur die Mutter, auch das Baby kann an Soor erkranken.

 

Mutter und Kind sollten stets gleichzeitig behandelt werden!

Behandelt wird Soor bei Mutter und Baby mit einem Anti-Pilz-Mittel, das meist der Arzt verordnet. Hier gibt es verschiedene Wirkstoffe, die sowohl in Cremes oder Mund-Gelen enthalten sein können. Bei schwereren Infektionen kommen auch systemisch wirkende Mittel zum Einsatz. Zusätzlich sind erhöhte Hygienemaßnahmen angebracht.

 

Wichtig: Immer muss die Therapie mindestens 14 Tage länger dauern als Symptome vorliegen, da es ansonsten zu einem erneuten Ausbruch kommt.

Baby mit Hand im Mund

Häufige Symptome für eine Soorinfektion an der Brust sind:

Stechende, heftig brennende Schmerzen während oder nach dem Stillen

Juckreiz, Rötung oder Risse und kleine Pickelchen

Weiße Beläge, schuppige rosa Haut oder perlmuttartiger Glanz

Schmerzen auch ohne offensichtliche Hautveränderungen

Soor äußert sich beim Baby durch:

Schlechtes Trinken, wiederholtes Loslassen der Brust

Schmerzen (schnalzende Geräusche beim Trinken)

weiße Beläge an der Zunge oder im Rachenraum

Hautrötungen bis hin zu offenen Stellen im Windelbereich, weiße Beläge

Fazit – Wissen auf den Punkt gebracht

Mutter hält Ihr schlafendes Baby auf dem Arm und küsst es auf den Kopf

Die Stillzeit ist eine gleichermaßen erfüllende als auch turbulente Zeit für Sie. Genießen Sie sie und holen Sie sich bei kleineren Unsicherheiten oder Problemen von Anfang an regelmäßig Rat ein. Kompetente Ansprechpartnerin und Vertrauensperson ist die Hebamme oder Stillberaterin.

 

Das optimale Anlegen des Kindes an der Brust sollte allen Müttern gut gezeigt werden, denn es ist die Basis für ein glückliches, schmerzfreies und langes Stillen.